"Königin" Liane hat mir erlaubt, über ihr Kennenlernen von Jasper, ihrem ersten Kind, zu schreiben.Als mich Liane das erste Mal anrief, war Jasper grade mal zwei Wochen alt und Liane ein Hauch ihrer selbst. Ein ganz dünnes Stimmchen bat mich um Hilfe. Sie spürte, dass etwas nicht stimmte, ich wurde ihr empfohlen. Unsicherheit, Sorgen, Traurigkeit, Kraftlosigkeit, Hilflosigkeit - all das schwang in ihrer Stimme mit.
Was hatte Lianes Leben so aus der Bahn geworfen? Sie hatte ein gesundes Kind geboren; sollte sie da nicht überglücklich sein? Ja, das ist immernoch das Bild in unserer Gesellschaft von der seelig lächelnden Mutter mit dem schlafenden Baby im Arm. Alles schön in Ordnung.
NEIN. Liane hatte eine traumatische Geburt erlebt, ihr kleines Baby war nicht "normgerecht", sie hörte Sätze wie: "der ist aber zierlich!" und schon war die Bühne eröffnet für alle zweifelnden Dämonen: vielleicht meinen sie auch: "der ist nicht gesund?????" DOCH. Jasper ist von Geburt an ein gesunder kleiner Kerl. Er war zierlich, aber Liane ist es auch :-)
Wenn ein Baby geboren wird, dann bringt es in seinem Gepäck auch immer ein Vergrößerungslas mit, durch welches die Mutter oft auf sich selbst, auf unverarbeitete Dinge aus ihrem Leben, auf ihre frühen zwischenmenschlichen Beziehungen zurückgeworfen wird. Wenn dann noch Angst und Sorgen mitschwingen, dazu noch eine Portion Erschöpfung und Schlafmangel, sowie Unsicherheit (Stillen, Windeln, Pipapo), findet sich die optimale Mischung aus der eine Wochenbettdepression entstehen kann.
Liane konnte Jasper nicht halten, nicht in den Arm nehmen, sie fürchtete sich vor seiner Zerbrechlichkeit, sie konnte sein kleines verzerrtes Gesichtchen nicht ansehen, wenn er schrie. Ihr Partner stand hilflos daneben.
Was konnte in dieser Situation helfen?
Jasper im Alter von 9 Wochen. Ein hübscher, gesunder, kräftiger Junge, der sehr viel erzählt und seine Eltern mindestens zehn Mal am Tag zum Lachen bringt!Wie hat Liane es geschafft, Jasper zu lieben?
Durch ihre Offenheit, dadurch, dass sie zugeben konnte: "Ich fand mein Kind nach der Geburt hässlich". Auf so einen Satz reagieren Viele schockiert. Das eigene Kind ist doch immer das hübscheste, oder nicht? Eine Mutter MUSS ihr Kind doch lieben. "Nichts muss, vieles darf!" hat meine Entspannungslehrerin immer gesagt. Muss erzeugt Druck und Stress. Offenheit lädt ein. In Lianes Fall durfte Humor eintreten und als sie es schaffte, mit anderen Menschen über ihr "hässliches" Kind zu lachen, konnte sie es annehmen.
Heute ist Jasper ein zuckersüßer Junge. Er hat das Zerbrechliche verloren, Liane hat zu ihrer Kraft und Freude zurückgefunden und erlebt Höhen und Tiefen als Mutter ohne Angst.
Na, Jasper - gut geschlafen?
Na klar! Und jetzt gehts raus in die Welt. Deine Mama nimmt dich mit.Danke, Liane, für dein Vertrauen. Du, dein Mann und dein Sohn, ihr seid so ein humorvolles, lebensfrohes Trio! Ich freue mich, dich kennengelernt zu haben.
Heute entdeckte ich übrigens einen passenden, guten Artikel über Wochenbettdepressionen in der FAZ. Hier ist der LINK.