Freitag, 15. Oktober 2010

Lucia die Lichtbringerin

Lucia erblickte nach einem regnerischen, kalten Mai, an einem der ersten warmen Frühlingstage im Juni das Licht der Welt und für ihre Eltern war daher die Namenswahl eine leichte: LUCIA. Das bedeutet: Die Lichtbringerin! Mit ihren knapp 5 Monaten ist sie heute ein Sonnenschein und im wahrsten Sinn des Wortes ein quietschvergnügtes kleines Mädchen :-)

Für ihre Mama jedoch verdunkelte sich die Welt 4 Wochen nach der problemlosen Geburt. Morgens fühlte sie eine Übelkeit, war wie gelähmt, konnte nichts essen, nicht gut schlafen, die einfachsten Dinge wurden zu großen Aufgaben: Baby versorgen, duschen, Telefonate führen. Mit dem Morgen kamen die Dämonen zu ihr. Die Ängste vor der Zukunft, vor den Aufgaben, davor, etwas falsch zu machen, das Gewicht der Verantwortung für ein Menschenleben nicht tragen zu können, die Selbstzweifel: "war es die richtige Entscheidung? kann ich eine gute Mutter sein?", die Stimmen, die ihr flüsterten, dass sie doch glücklich sein müsste über diese gesunde, süße Tochter, die sie sich doch gewünscht hatte. Manchmal konnte sie ihr Kind einfach nur versorgen und es tat ihr so leid, dass sie ihr nicht die Liebe und Hinwendung geben konnte, die Lucia ihrer Meinung nach verdient hatte.

Ziemlich schnell und aus eigener Kraft und dank der offenen Gespräche mit ihrem Mann wurde ihr klar, dass sie Hilfe brauchte. Sie konnte einen großen Schritt machen, indem sie sich eingestand: ich habe eine Wochenbettdepression und ich brauche Hilfe! In einer psychologischen Beratungsstelle wurde ihr empfohlen, sich eine "Haushaltshilfe" zu suchen. Per Zufall fand sie im Internet Hinweise auf Mütterpflegerinnen und fand mich. Als sie mich das erste Mal anrief, sagte sie mir, dass sie sich eine Mütterpflegerin wünsche, weil sie sich die Arbeit "vollwertiger" vorstelle. Eine schöne Formulierung! :-)

Meine Besuche halfen Lucias Mama dabei, ganz langsam wieder Kraft zu schöpfen. Die leichte Geburt hatte sie mal eben locker weggesteckt und sich in den Alltag gestürzt und als ihr Mann wieder arbeiten ging, spürte sie die Erschöpfung und vor allem auch die Isolation. In ihrem Beruf war sie Teamleiterin mit vielen Verantwortlichkeiten und Handlungskompetenz und nun bestimmte ein kleines Baby 24 Stunden am Tag ihr Leben. So kam sie 4 Wochen nach der Geburt in ein seelischen Schattental und aus der Königin war ein Häufchen Traurigkeit geworden. Was ihr aber sehr, sehr half, war ihre Offenheit. Mit dieser Offenheit konnte sie auch wieder deutlicher auf ihr Bauchgefühl hören, denn auf das konnte sie sich verlassen. Auf einmal spürte sie wieder, was gut für sie war und nach ein paar Wochen in denen sie Schlaf nachholen und Essen konnte, war sie so weit, mit ihrer Tochter im Tragetuch durch die Welt zu spazieren.

Heute besucht sie mit Lucia einen Babymassagekurs, trifft sich mit anderen Mamas zum Spaziergang und wächst gelassen in ihre Mutterrolle hinein.

Lucia war schon beim ersten Kennenlernen ein sehr entspanntes Baby. Sie entwickelt sich super und zeigt sehr viel Vertrauen in ihre Umwelt. Ich glaube sie ist sehr gebunden und hat ein gutes Urvertrauen. Die Wochenbettdepression ihrer Mama hat ihr nicht geschadet.

Lucia beim faszinierten Erforschen ihrer Welt.
Liebe Königin Andrea, danke, dass ich dir ein paar "Gehhilfen" geben konnte. Gelaufen bist du ganz alleine und mittlerweile tanzt du mit Lucia durchs Leben :-)
Bis bald, Nina.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Liebe Nina,

ich danke Dir für die „Gehhilfen“ und natürlich für alles Andere, was mir Deine Besuche immer zu einer großen Freude gemacht hat.

Ich kann allen betroffenen Mama´s nur raten, mit den vielen Gefühlen und Gedanken, die eine Depression mit sich bringt, offen umzugehen und sich professionelle Hilfe zu suchen. Mit diesen Dämonen, wie Du sie so treffend genannt hast, sollte keine Mama alleine sein. Ich habe im gesamten Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis nur positives Feedback und vor allem auch viel Hilfe erhalten. Dafür werde ich immer dankbar sein.

Ich weiß, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Im Moment muss ich wieder gegen die Dämonen ankämpfen, die aber schon etwas kleiner und weniger schrecklich sind. Ich werde auch diesen Kampf gewinnen, schließlich ich es viel zu schön, mit Lucia durch´s Leben zu tanzen. Aber die Angst vor der nächsten möglichen Rückkehr bleibt bestehen. Die Medikamente soll ich circa ein halbes Jahr nehmen, somit kommt dann auch noch die Sorge, wie es ohne diese kleinen Pillen sein wird. Und auch der Alltag mit einem Baby hält wohl noch viele Überraschungen bereit. Aber ich weiß auch, dass ich stark bin und jede Hürde nehmen kann. Die Kurse wie Babymassage und PEKiP und die Treffen mit Freunden mit aber auch ohne Kinder machen die Tage abwechslungsreich und strukturieren den Alltag. Und nicht zu vergessen, die Familie, die mir beisteht.

Ich muss vor allem mit mir selbst geduldiger sein. Unsere kleine Lichtbringerin zeigt mir jeden Tag, dass sich die Geduld lohnt. Schließlich ist sie trotz allem ein richtiger Sonnenschein. Ich wiederhole für mich noch oft Deine Worte „Lucia hat auf ihrer Wolke gesessen und nur auf euch gewartet.“. Und wenn dieses kleine Wesen so viel Geduld beim Warten aufbringen konnte, dann werde ich das ja wohl auch schaffen. :o)

Bis bald.

Andrea